Eklat in Fußballstadien: „Nur zwei Geschlechter“ darf es nicht geben

Ein Fan-Plakat behauptet: Es gibt nur zwei Geschlechter. Der DFB reagiert mit drakonischen Strafen. Nun brandet in Stadien Massenprotest auf. Sind Fußballfans Queer-Leugner? Oder blamieren sich super-woke Funktionäre?

Der Eklat beginnt als Realsatire. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes hat dem Bundesligisten Bayer Leverkusen eine Geldstrafe verhängt, weil dortige Fans behauptet hatten, es gebe nur zwei Geschlechter. Der DFB ist der weltgrößte Sportverband, Bayer Leverkusen ist Tabellenführer der Bundesliga und auf dem Weg zur Meisterschaft – größer kann die Bühne für das Gender-Strafgericht kaum sein. Insgesamt 18.000 Euro muss der Verein „wegen diskriminierenden unsportlichen Verhaltens seiner Anhänger“ zahlen. Fans hatten beim Spiel gegen Werder Bremen ein Banner mit der Aufschrift „Es gibt viele Musikrichtungen, aber nur zwei Geschlechter“ hochgehalten.

Das inkriminierte Banner hatte einen eher heiteren Diskurs zwischen harmlos rivalisierenden Fangruppen von Werder Bremen und Bayer Leverkusen zum Auslöser. Bayer-Ultras hatten sich in einer Choreografie im Spiel gegen Freiburg als vermeintlich cooles „Raverkusen“ bezeichnet, woraufhin die Werder-Fans im anschließenden Spiel die Leverkusener als Musikspießer mit einem „Bierkönig ≠ Technoclub“-Banner konterten. Das wiederum erwiderten diese mit dem nun skandalisierten Bayer-Spruchband „Es gibt viele Musikrichtungen“. Die Rheinländer wollten mit dem Verweis auf die „aber nur 2 Geschlechter“ wohl die links-woke Ausrichtung der Bremer Ultras veralbern, nachdem diese den eigenen Musikgeschmack verulkt hatten. Derartige Fanfrotzeleien gehören normalerweise zum reichen, derben und allseits beschmunzelten Beiwerk der deutschen Fußballkultur.

Dass nun aber der DFB sich strafgerichtlich befleißigt, die Leverkusener Fans als menschenverachtende Gender-Leugner öffentlich zu bestrafen, löst unter vielen Fußballfans Kopfschütteln und Empörung aus. Der DFB schrieb zur Begründung seiner Strafaktion auf X (ehemals Twitter), dass die Leverkusen-Fans gegen die „Rechts- und Verfahrensordnung in Bezug auf die geschlechtliche bzw. sexuelle Identität“ verstoßen hätten. Aus der Bundespolitik sprang die Sportsprecherin der Grünen, Tina Winklmann, dem DFB sofort bei, das Plakat sei „menschenverachtend und diskriminierend“.

Das sehen viele Fans anders und wollen sich die Ansicht, es gebe zwei Geschlechter, einfach nicht verbieten lassen.

Die Strafaktion des DFB löst eine Welle ähnlicher Spruch-Aktionen in anderen Stadien aus. Die Anhänger von Dynamo Dresden zeigten ein Riesen-Banner mit der Aufschrift: „Es gibt nur einen lächerlichen DFB. . . und zwei Geschlechter!“ Auch dagegen will der DFB nun mit Strafen vorgehen. In Braunschweig bastelten die Fans ein gigantisches Transparent mit der Aufschrift „Sehr geehrte Damen und Herren, Punkt.“ In Cottbus konnte man meterhoch lesen: „Es gibt nur 2 Geschlechter – Beide verachten den DFB“. In Chemnitz las man in Riesenlettern: „Es gibt nur zwei Geschlechter, das sieht selbst ein Blinder! DFB-Fanshop: Herren, Damen, Baby und Kinder“. Damit spielten die Fans auf den zweigeschlechtlich gestalteten DFB-Shop an.
Immer mehr „Zwei-Geschlechter“-Plakate

Nun müsste der DFB eigentlich alle möglichen Vereine und Fangruppen bestrafen, denn an jedem Wochenende kommen neue „Zwei-Geschlechter“-Plakate hinzu. Doch hinter den Kulissen beginnt auch eine Diskussion um den DFB und seine Führung.

Die einen kritisieren, dass der DFB das ohnedies aufgeheizte Verhältnis zwischen DFB, dem Ligaverband DFL und Fans wegen des geplanten Investoreneinstiegs bei der DFL unnötig zusätzlich belaste. Andere kritisieren den DFB, der unter seinem Präsidenten Bernd Neuendorf immer stärker links politisiert und demonstrativ „woke“ werde. Der langjährige SPD-Berufspolitiker Neuendorf arbeitet in seiner Positionierung für demonstrative Diversität eng mit der SPD-Innenministerin Nancy Faeser zusammen. Die gemeinsame Parteimitgliedschaft führt zuweilen zu überpolitischen Aktionen, so bei der Fußball-WM in Katar, als die beiden die One-Love-Bindenposse inszenierten. Auch die Berufung von Andreas Rettig (in der Szene gerne „Antifa-Andi“ gerufen) zum neuen Geschäftsführer Sport des Fußballverbandes gilt als demonstratives Signal für ein links-aktivistisches Verbandsmanagement. Im November 2022 trat Rettig als Wortführer bei der SPD auf und referierte in Bochum zum Thema „Die gesellschaftliche Verantwortung des Profifußballs“. Zu den Merkwürdigkeiten der DFB-Politisierung gehört auch, dass unter Neuendorf die Hamburger Kommunikationsagentur BrinkertLück engagiert wurde. Sie hatte den SPD-Kanzlerwahlkampf für Olaf Scholz betreut, heute ist BrinkertLück die „Leadagentur für die DFB-Produktwelt“.

Der Zwei-Geschlechter-Eklat erregt jenseits der Fußballszene für Aufmerksamkeit, weil hier exemplarisch ausgefochten wird, wo in der Diversivitätsdebatte die Grenzen des Sagbaren verlaufen. Die DFB-Strafentscheidung wirkt wie eine politische Korrektheits-Kante im gegenwärtig ausgetragenen Gender-Kulturkampf. Dass neben dem biologischen Geschlecht auch die soziale Geschlechtsidentität respektiert und toleriert werden sollte, ist auch unter Fußballfans weithin unbestritten. Im deutschen Personenstandsrecht ist seit 2018 ohnedies neben männlich und weiblich auch der Geschlechtseintrag divers möglich.

Der große Widerstand gegen die DFB-Sprachpolizei erklärt sich daher weniger mit der fehlenden Toleranz gegenüber queeren Fußballern als vielmehr mit der Frage, was man öffentlich sagen darf und was nicht.

Wenn der Satz „Es gibt zwei Geschlechter“ wirklich unter Strafe und öffentliche Stigmatisierung gestellt ist, dann werden offenbar Freiheitsreflexe der offenen Gesellschaft verletzt. Denn die Genderdebatte unterliegt wie alle anderen Debatten auch der grundgesetzlich geschützten Meinungsfreiheit. Deutschlands prominenteste Biologin, die Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard verficht den Satz von den zwei Geschlechtern sogar vehement: „Natürlich gibt es beim Gender, dem sozialen Geschlecht, eine Bandbreite, während es beim biologischen Geschlecht nur weiblich oder männlich gibt. Aus. Ende.“ Der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, hingegen behauptet: Der Ansicht zu sein, dass es zwei Geschlechter gebe, sei unwissenschaftlich. Es gebe viele Geschlechter. Dem antwortete die Nobelpreisträgerin in einem Emma-Interview: „Das ist unwissenschaftlich! Da hat Herr Lehmann vielleicht den Grundkurs in Biologie verpasst.“ Und weiter: „Dass Transsexuelle nicht diskriminiert werden sollen, ist ja völlig klar. Wenn Menschen schlecht behandelt werden, ist das schlecht. Aber sie können doch ihre Vorstellungen nicht allen Menschen als Tatsachen aufdrücken.“ Sollte die Nobelpreisträgerin so etwas im Fußballstadion kundtun, würde ihr der DFB eine Strafzahlung aufbrummen.

Quelle: The European