Vergessen Sie Musk, Bezos und Zuckerberg: Huang ist der neue Tech-Superstar!

Nvidia ist der TechKonzern des Jahres. Der KI-Spezialist und Chiphersteller ist NASDAQ-Shootingstar und jetzt 2 Billion Dollar wert – mehr als alle Dax-Konzerne zusammen. Sein Gründer und CEO gibt verblüffende Prognosen ab.

Nvidia Gründer Jensen Huang ist der Shootingstar am Tech-Himmel. Und er hat weitere Visionen für die Zukunft. Foto: Picture Alliance

Der Börsenrausch ist beispiellos. Der Wert der Nvidia-Aktie stieg in der vergangenen Woche an nur einem einzigen Tag um 277 Milliarden US-Dollar. Noch nie in der Geschichte hat ein einzelnes Unternehmen binnen 24 Stunden so viel hinzugewonnen. Zum Vergleich: Das ist 20mal der komplette Commerzbankkonzern – an einem Tag, und das nur als Zugewinn. Denn der Nvidia-Börsenrun läuft schon einige Monate. Die Marktkapitalisierung hat inzwischen die astronomische Marke von zwei Billionen Dollar erreicht. Das Unternehmen aus Santa Clara in Kalifornien ist damit jetzt mehr wert als alle 40 deutschen Dax-Konzerne zusammen!

Unter Anlegern und Spekulanten wird die Nvidia-Aktie derzeit wie ein Popstar des Tech-Kapitalismus gefeiert, gewissermaßen als Taylor Swift für Investoren. Wer 1999, als das Unternehmen an die Börse ging, für nur 1.000 Dollar Nvidia-Anteile gekauft hätte, wäre inzwischen dreifacher Millionär.

KI als Warp-Antrieb für die Aktie

Auslöser des neuesten Kursfeuerwerks sind die Quartalszahlen des Chipherstellers. So sprang der Quartalsgewinn von 1,4 Milliarden Dollar vor einem Jahr auf nun mehr 12,3 Milliarden nach oben. Der Quartalsumsatz schoss auf 22,1 Milliarden Dollar empor und war damit dreimal höher als noch im Vorjahr. Nvidia ist mit seinen Grafikkarten, seiner Software und den Super-Chips Treiber und Profiteur der KI-Revolution. Die Nvidia-Prozessoren haben gegenüber der Konkurrenz den Vorteil, dass sie eine Vielzahl von Rechenoperationen gleichzeitig ausführen können. Das ist für Programme künstlicher Intelligenz wie ChatGPT zwingend erforderlich; vom Gaming über die Nasa-Satellitensteuerung und das autonome Fahren bis zum Bitcoin-Mining werden Nvidia-Chips gebraucht. Die Konkurrenz von AMD und Intel hinkt derzeit Nvidia technologisch hinterher.

Der neue Popstar am Tech-Himmel

Da Nvidia an Börsenwert nun sogar bisherige Marktriesen wie Amazon, Meta (Facebook) Alphabet (Google) und Tesla hinter sich lässt, richten sich in der globalen Techbranche die Augen auf den Gründer und CEO Jensen Huang. Elon Musk, Mark Zuckerberg oder Jeff Bezos sind plötzlich nicht mehr so cool wie der taiwanesisch-amerikanische Nvidia-Held.
Jen-Hsun (amerikanisiert Jensen) Huang ist Jahrgang 1963 und anders als die andern Tech-Titanen. Er zeigt sich schon mal im Muscle-Shirt und präsentiert gerne in Lederjacken. Auf dem Oberarm hat er sich ein Tattoo mit dem Nvidia-Firmenlogo stechen lassen, als der Aktienkurs vor vier Jahren die Marke von 100 Dollar überstiegen hat. Heute kostet die Aktie fast 800 Dollar. Die Tätowierung und die schwarzen Lederjacke wirken nach rebellischer Rocker-Ästhetik. Doch davon will Huang nichts wissen. Auf die Frage, was er von seinem Status als Mode-Ikone dank seiner Jacke hält, antwortete er: „Kommen Sie mir nicht so. Ich bin froh, dass meine Frau und meine Tochter mich anziehen.“ Im übrigen habe das Tatoo „verflucht weh“ getan, so etwas würde er nie wieder machen. Er wolle ohne weitere Tatoos „würdevoll altern“.

Biographie wie aus dem Bilderbuch

Huang wurde in Tainan, im Südwesten Taiwans geboren. Seine Familie lebte eine Zeit lang in Thailand und wanderte dann in die USA aus. Huang erhielt 1984 seinen Bachelor in Elektrotechnik und 1992 seinen Master in Elektrotechnik von der Stanford University. Nach dem College war er zunächst bei LSO Logic und beim Chiphersteller AMD angestellt. An seinem 30. Geburtstag, dem 17. Februar 1993, gründete er zusammen mit Chris Malachowsky und Curtis Priem – zwei Ex-Mitarbeitern von Sun Microsystems – die Nvidia Corporation. Die drei Gründer träumten von futuristischen Computern mit beschleunigten, grafikorientierten Chips. Sie galten anfangs als Zocker-Chipbastler für Videospielkonsolen und verbrannten die ersten 10 Millionen Startkapital. Heute fasst Huang die wilden Aufbaujahre und seine Fehler so zusammen: „Wissen Sie, jedes Unternehmen macht Fehler, und ich mache eine Menge davon. Und einige davon brachten das Unternehmen in Gefahr, vor allem am Anfang, weil wir klein waren und es mit sehr, sehr großen Unternehmen zu tun hatten, und wir versuchten, diese brandneue Technologie zu erfinden…Dabei wussten wir zuweilen selbst kaum, was wir genau tun. Wenn man etwas tut, was noch nie zuvor gemacht wurde, weiß man nicht genau, was man tut. Auf der anderen Seite gibt es diese riesigen Unternehmen, die wollen, dass man die Branche nicht stört. Und so haben wir anfangs einige Produktfehler gemacht. Es gab auch einige strategische Fehler, die ich gemacht habe. Wenn ich ehrlich, gab es richtig viele davon. Ich habe vor allem versucht, dafür zu sorgen, dass sich das Unternehmen an unsere Lehren aus den Fehlern erinnert.“

Zukunftsvision oder SciFi – oder beides?

Heute ist Huang dank seiner Firmenanteile Milliardär. Seine Vergütung als CEO betrug im vergangenen Jahr 21,4 Millionen US-Dollar. Huang hat sichtlich Freude daran, die KI-Revolution voranzutreiben. In einem TV-Interview mit CNBC kündigt Huang den Bau der leistungsstärksten Supercomputer der Welt an. Diese werde man für molekulardynamische Simulationen, Klimawissenschaftsforschung, Materialwissenschaftsforschung und Quantencomputerforschung brauchen. Vor allem aber die neue Generation künstlicher Intelligenz brauche dynamische Prozessoren wie Nvidia sie entwickelt hat. „Ich weiß noch, wie ich meinen allerersten KI-Supercomputer ausgeliefert habe. Ich habe ihn persönlich an OpenAI übergeben. Es war der allererste KI-Supercomputer der Welt“. Heute ist OpenAI durch sein Softwareprodukte ChatGPT weltbekannt.

Huang sieht die Tech-Branche in der vierten Revolution, die sich nun selbst in einer Dauerrevolution fortschreibe: Nach der PC-Revolution sei die Internet-Revolution gekommen, dann die Cloud-Revolution und jetzt die KI-Revolution. Seine Prognose: „Bei jedem dieser Übergänge ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Unternehmen, die vorher groß waren, auch danach noch groß sind. Aber es gibt einige Unternehmen, die es aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit und Agilität geschafft haben, sich auf diesem Weg neu zu erfinden. Wir mussten uns bei jeder dieser technologischen Revolutionen neu erfinden.“ Dieses Credo nimmt er auch persönlich an. Warum soll nicht ein Mensch zu einem Roboter mutieren, unkt er.

Auf die Frage, wie lange er vorhabe, Nvidias CEO zu sein, sagte er, er glaube, dass er in seiner menschlichen Form noch 30 Jahre lang gute Arbeit leisten könne, und dann: „In weiteren vier Jahrzehnten werde ich ein Roboter sein und vielleicht noch drei oder vier Jahrzehnte danach. Ich hoffe also, dass ich das noch sehr lange genießen kann“.

Quelle: The European